Analyse und Interpretation eines literarischen Textes oder einer Kurzgeschichte



Nachstehend bekommst du Tipps um einen Prosatext erst zu analysieren und dann zu interpretieren. Dies kann dir unter anderem auch bei der Vorbereitung auf das Deutsch Abitur helfen.

1. Inhalt der Geschichte

a) Welche Ereignisse und Handlungen werden geschildert?
b) Welche Personen sind beteiligt?
c) Wann und wo finden die Ereignisse/Handlungen statt?

Vorgehensweise z.B.:

a) Kennzeichnen der Handlung und der beteiligten Personen in den Abschnitten und die Ergebnisse der Analyse stichwortartig nach der Ablauffolge festhalten.
b) Diese Notizen in Sätze formulieren und miteinander mit Bindewörter verknüpfen (z.B. Adverbien, Konjunktionen, Pronomen usw.).
c) Für die Einleitung aus den Textanalysen die Ergebnisse auswählen, welche den Gesamtablauf kennzeichnen. Die Einleitung besteht nur aus ein bis zwei Sätzen. Hierbei ist auch der Schriftsteller, der Titel und das Veröffentlichungsjahr etc. anzugeben.

2. Erzählform

a) Inhalt des Textes

– Handlung
– Charakterisierung der Personen
– Raum
– Zeit

1. Handlung

a) Äußere Vorgänge/Handlungen
Personen berichten von eigenen Handlung und Handlungen von anderen in direkter Rede oder der
Erzähler berichtet über die Handlungen.
b) Innere Vorgänge
Im „inneren Monolog“ berichten Personen in direkter Rede über ihre Gefühlslage und ihre Gedanken.
Der Erzähler beschreibt in der „erlebten Rede“  was die beteiligten Personen fühlen und denken.

2. Charakterisierung der Personen

a) Der Erzähler beschreibt den Charakter der Person bzw. die Person beschreibt sich selbst oder eine Person.
b) Durch seine Handlungsweise, sein Verhalten oder seine Sichtweise wird uns der Charakter der Person erkennbar.
c) Beziehung der Personen zu einander: z.B. arm und reich, alt und jung, Mann und Frau, unterschiedliche Weltanschauungen.
d) Ändert sich der Charakter einer Person während der Erzählung und was sind die Gründe hierfür.

3. Raum

Lebensraum: Wo die Personen zu Hause sind und der ihr Handeln bestimmt
Handlungsraum: Raum für die Handlungen und Ereignisse
Stimmungsraum: Raum für die Stimmungen und Gefühle der beschriebenen Akteure
Kontrastraum: Handlung bestimmende Gegensätze (z.B. Land/Meer, Ebene/Berge, Heimat/Ausland, Villa/Slam)

4. Zeit

a) Erzähltempo:

Deckung = Erzählzeit ist mit erzählten Zeit identisch
Raffung = Erzählzeit ist geringer als erzählte Zeit
Dehnung = Erzählzeit ist größer als erzählte Zeit

b) Erzählfolge:

– Chronologisch= in der richtigen Reihenablauffolge
– Achronisch = durch Wechsel der Zeitfolge (z.B. Rückblick auf Geschehen bzw. Vorausschau)
– Rückblick
– Vorausschau

5. Stil und Sprache

Die gebrauchten Wörter des Textes entsprechen

– dem allgemeinüblichen Wortschatz.
– Viele Wörter erfordern ein gewisses Bildungsniveau (Fremdwörter oder wenig benutzte Wörter).
– Es kommen im Text Wörter der Umgangssprache oder im Dialekt vor.
– Es werden Wörter verwendet, die berufs- oder sportspezifisch sind.

Gibt es eine Wortartenhäufung z.B. handlungsbeschreibende Verben bzw. beschreibende Adjektive.

Wie ist der Satzbau des Textes?

– Kurze Sätze
– Lange Sätze mit Aufzählungen oder Einfügungen
– Abgebrochene Sätze bzw. fehlende Satzglieder
– Satzartenhäufung bzw. gleiche Satzfiguren

Welche rhetorischen Figuren hast du im Text erkannt?

– Bildhafte Figuren (z.B. Hyperbel, Metapher, Symbol, Untertreibung, Allegorie, Parabel, Vergleich)

– Satz- und Wortfiguren (z.B. Klimax, Rhetorische Frage, Anapher, Klimax, Oxymoron, Zeugma)

– Klangfiguren (z.B. Alliteration, Assonanz, Interjektion, Kakophonie, Polyptoton, Variatio)

– Sonstige Stilfiguren (z.B. Apostrophe, Concessio, Conciliatio, Stichomythie, Isolog, Wortspiel)

6. Aufbau/Struktur

a) Spannungsbogen/-kurve:

Spannungssteigerung
Spannungsabfall
Höhe- und Wendepunkt
Auflösung

b) Symbolverwendung:

als Leitmotiv Gegenstände, Tiere oder Pflanzen

c) Handlungsarten:

Kernhandlung
Rahmenhandlung
Haupt- und Nebenhandlung
gegensätzliche Strukturen, wie: Rede und Gegenrede, These und Gegenthese, Protagonist und Antagonist

d) Erzähltechniken:

chronische Abfolge wird aufgelöst
Vorausdeutungen
Vermischung der Zeitebenen
Zeitsprünge, Rückblenden
Raffung oder Auslassung

7. Erzählform

Ich-Erzähler = Der Erzähler spricht selbst. Der Text wird mit Anführungszeichen geschrieben. z.B. „Als
ich in das Haus eintrat….“.
Er-Erzähler = Er spielt entweder in der Geschichte keine Rolle oder ist eine Figur der Geschichte und erzählt
aus seinem Blickwinkel die Geschichte.

Personale Erzähler = Er ist an der Geschichte als Person beteiligt und erzählt aus seiner Sicht (nur
Außensicht).

Auktoriale Erzähler = Der Erzähler ist nicht an der Geschichte beteiligt und kennt als Allwissender die
Gefühle und Gedanken der Personen.

Neutraler Erzähler = Es werden nur die Fakten neutral und ohne Wertung der Handlungen berichtet.

Haltung des Erzählers:

neutral
zustimmend
ablehend
kritisch
ironisch
skeptisch
satirisch

8. Darstellungsweisen

direkte Rede = In natürlicher Sprache wird eine Rede oder ein Gedanken wiedergegeben. Die Rede wird
dabei in Anführungszeichen gesetzt. z.B. Er sagte: „Heute wird es regnen.“

indirekte Rede = Bei der indirekten Rede wird das Konjunktivs oder das Indikativ verwendet (keine
Anführungszeichen). z.B. Er sagte, dass er in München wohne. oder Er sagte, dass er in München wohnt.

erlebte Rede = Gedanken/Bewusstseinsinhalte werden im Indikativ der dritten Person und meist im
sogenannten epischen Präteritum ausgedrückt. z.B. War er wirklich immer brav gewesen?

innerer Monolog = Selbstgespräch in direkter Rede

Kommentar = Der Erzähler gibt eine Erklärung bzw. seine Meinung ab

Bericht = Über die Handlung, die Personen, Ort und Zeit wird vom Erzähler berichtet

Beschreibung = Der Zustand einer Person oder eines Gegenstandes wird beschrieben

 

Viel Erfolg bei der Analyse und Interpretation eines Textes oder einer Kurzgeschichte wünscht Euch www.schul-wissen.de .



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